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31.03.2026

Top-5-Liste gegen Fehlversorgung in der Spitex

Die Pflege zu Hause gewinnt in der Schweiz an Bedeutung. Immer mehr Menschen werden im eigenen Umfeld von der Spitex gepflegt und betreut, gleichzeitig wächst der Druck auf das System. Zeitmangel, steigende Komplexität und eine immer engere interprofessionelle Zusammenarbeit erhöhen das Risiko von Über-, Unter- oder Fehlversorgung.

Genau hier setzt eine neue Top-5-Liste für die Spitex-Pflege von Smarter Medicine an, eine Organisation, die sich dafür einsetzt, unnötige oder potenziell schädliche Behandlungen zu vermeiden im Gesundheitswesen zu vermeiden. Sie richtet sich bewusst nicht nur an Pflegefachpersonen, sondern auch an Patientinnen, Angehörige und die breite Öffentlichkeit. 

Im Mittelpunkt stehen fünf Empfehlungen, die den Alltag in der ambulanten Pflege direkt betreffen. Sie zeigen, dass Qualität nicht durch möglichst viele Leistungen entsteht, sondern durch gezielte und gut begründete Entscheidungen.

Ausgearbeitet wurde sie von der Akademischen Fachgesellschaft (AFG) Spitex Pflege des Schweizerischen Vereins für Pflegewissenschaft (VFP) mit Projektleitung durch die Pflegeexpertinnen Christine Reichart (Spitex Zürich) und Annina Cadruvi (Spitex Chur) sowie mehreren weiteren Personen mit Spitex-Hintergrund aus dem Kanton Zürich in der Projektgruppe.

1. Betroffene aktiv einbeziehen
Nutze die Stärken und Kompetenzen der Betroffenen, und übernimm Pflegeinterventionen nicht vollständig, wenn eine aktive Mitarbeit möglich ist. Klientinnen und Klienten sollten angeleitet und befähigt werden, möglichst selbständig zu leben, auch wenn es manchmal länger dauert. Damit verhindert man, dass routinemässige Bewegungsabläufe verlernt werden. Statt Selbstversorgung entstehen Abhängigkeiten.
Professionelle Pflege zu Hause sollte die Klientinnen und Klienten sowie deren Angehörige zielorientiert, holistisch und personenzentriert einbeziehen und sie ermutigen, ihre vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten einzusetzen.

2. Bedarf von Familien erfassen
Erfasse das Erleben sowie den Unterstützungs- und Beratungsbedarf von Familien, und leite daraus gezielte Massnahmen ab. Pflegende und betreuende Angehörige leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Gesundheitssystem. Sie erleben ihre Rolle als wertvoll, wobei physische, psychische, soziale und finanzielle Belastungen hoch sein können. Ein regelmässiger Austausch über die Pflege- und die Betreuungssituationen zwischen Spitex-Mitarbeitenden und Angehörigen hilft Lösungen für Familien in herausfordernden Situationen zu suchen.

3. Hinweise auf häusliche Gewalt ernst nehmen
Häusliche Gewalt kommt leider vor, manchmal situativ, manchmal systematisch, und muss ernst genommen werden. Die Risiken von häuslicher Gewalt sind weitreichend und das Sterblichkeitsrisiko der betroffenen Personen, häufiger sind es Frauen, erhöht. Hervorzuheben Folgeerscheinungen sind Angststörungen, Depression, Suizidalität und Stress. Damit Spitex-Mitarbeitende Hinweise erkennen und aktiv damit umgehen können, braucht es eine regelmässige Sensibilisierung durch Weiterbildungen und Fallbesprechungen. Spitex-Mitarbeitende sollen sich an Behörden und Fachstellen wenden (auch anonymisiert möglich), das weitere Vorgehen besprechen und mögliche Massnahmen entwickeln.

4. Sensibilisierung für Einsamkeit und Isolation
Soziale Isolation kann zu Einsamkeit führen. Betroffen sind gerade Menschen mit Risikofaktoren wie hohem Alter, Mobilitätseinschränkung, Seh- und Hörminderung, psychische Erkrankung, Demenz und sozioökonomische Benachteiligung.
Spitex-Mitarbeitende können Zeichen von Einsamkeit oder sozialer Isolation erkennen und ansprechen. Durch regelmässige und zuverlässige Einsätze leisten Spitex-Mitarbeitende eine Linderung des Einsamkeitsgefühls, können aber auch mit Informationen und den Zugang zu bedürfnisorientierten Angeboten des Gemeinwesens helfen etwa Besuchs- und Begleitdienste, soziale Aktivitäten, der Einsatz geeigneter Hilfsmittel wie Hörhilfen, die Organisation von Transportmöglichkeiten oder die Nutzung elektronischer und digitaler Kommunikationshilfen.

5. Zielbesprechung vor stationären Aufenthalten
Chronisch und mehrfach Erkrankte sowie gebrechliche Personen haben eine längere Verweildauer im Spital, schlechtere kognitive und funktionelle Ergebnisse, ein höheres Risiko für einen Heim- oder erneuten Spitaleintritt oder zu sterben. Eine vorausschauende Planung und die frühzeitige Erfassung des Willens, die dem ganzen Behandlungsteam zur Verfügung stehen, verbessern die Versorgung und die Zufriedenheit aller Beteiligten. Dafür brauchen Betroffene Informationen zu den möglichen Behandlungs- und Betreuungsoptionen.


Eine integrierte Zusammenarbeit zwischen allen involvierten Fachpersonen des Gesundheits- und Sozialwesens und eine einheitliche Dokumentation sind Schlüsselelemente für eine erfolgreiche bereichsübergreifende Kommunikation.

Für Pflegefachpersonen ist die Liste ein Instrument, um den eigenen Alltag kritisch zu hinterfragen. Für die Bevölkerung ist sie ein Signal, dass gute Pflege nicht unbedingt mehr Pflege bedeutet – sondern die richtige Pflege zur richtigen Zeit. Gerade in einem System, das zunehmend unter Druck steht, könnte dieser Ansatz entscheidend sein.

Weitere Listen für das Gesundheitswesen gibt es unter www.smartermedicine.ch. Den gesamten Text für Pflegefachpersonen bzw. für die Bevölkerung gibt es hier:

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